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13.06.2018

Die Nachbildung aus Schaumstoff und der (wahr gewordene) Traum vom echten Pokal

Pokale faszinieren. Sie motivieren Fußballer zum Sieg. Und wenn eine Mannschaft lange Zeit keine Trophäe mehr gewinnen konnte, kann es hilfreich sein, daß die Anhänger den Spielern eine Pokal-Nachbildung zeigen. Um ihnen den Zauber des metallenen Siegespreises in Erinnerung zu bringen.

Rund zweiundfünfzig Zentimeter mißt der 1964 geschaffene DFB-Pokal, bestehend aus feuervergoldetem Sterlingsilber und verziert mit Turmalinen, Bergkristallen und Nephriten. Mit Spielführer Jürgen Grabowski hatte 1974 erstmals ein Eintrachtler die Trophäe in die Höhe gestemmt. 3:2 gewann das Team damals gegen Bayern München. Nach insgesamt vier Siegen wartete man in Frankfurt jedoch seit 1988 auf den abermaligen Gewinn des Pokal-Endspiels.

Im Wettbewerb 2013/14 schien dazu die Möglichkeit gegeben. In der 2. Hauptrunde wurde vor heimischem Publikum der VfL Bochum geschlagen und Losglück bescherte der Mannschaft im Achtelfinale ein Heimspiel gegen den SV Sandhausen, so daß das Viertelfinale zum Greifen nah und der Weg zum Endspiel in Berlin kurz schien. Zu dieser Zeit nahmen vierzehn Jungen im Alter von 12 bis 17 Jahren am sozialpädagogischen Projekt „Frankfurter Jungs - Gemeinsam aktiv“ teil. Ein Pilotprojekt an der Schnittstelle von Jungenarbeit, Inklusion/Integration und Fußballkultur, das die BildungsArena Eintracht Frankfurt zusammen mit dem Paritätischen Bildungswerk Bundesverband und dem Evangelischen Verein für Jugendsozialarbeit in Frankfurt am Main e.V. ins Leben gerufen hatte.

Im Rahmen dieses Projektes fertigten Jugendliche aus dem Jugendtreff Eschersheim und dem Hort im Uhrig unter Anleitung des Frankfurter Künstlers Tetsuro Pecoraro eine überdimensionale Nachbildung des DFB-Pokals an. Als Material diente ihnen der Schaumstoff alter Matratzen, als Werkzeug elektrische Messer. Ziel des Workshops war es, die Kreativität sowie die handwerklichen und künstlerischen Fähigkeiten der Teilnehmer zu entwickeln. Parallel zu Gesprächen über die kulturelle Bedeutung und Symbolik von Pokalen im Sport schufen die Jugendlichen so eine mannshohe Nachbildung der populären Trophäe.

Eine große Wertschätzung erhielten die Eschersheimer hiernach durch das Eintracht-Museum: Eingeladen von Museumsleiter Mathias Thoma transportierten sie den Schaumstoff-Pokal auf das Stadiongelände, wo sie im Vereinsmuseum ein Gruppenfoto mit dem Replikat der Trophäe aus dem Jahr 1988 anfertigen ließen. Bis zum Start der Rückrunde 2014 war die im Projekt „Frankfurter Jungs – Gemeinsam aktiv“ gebastelte Nachbildung als Exponat in der Ausstellung zu sehen, ehe Eintracht Frankfurt im Februar 2014 mit einer 0:1-Niederlage im Viertelfinalspiel gegen Borussia Dortmund aus dem Pokalwettbewerb ausschied.

Knapp viereinhalb Jahre später haben alle Eintracht-Fans nun bei einzelnen Veranstaltungen im Vereinsmuseum die Gelegenheit, das Original der Trophäe zu bewundern. Mit der Jahreszahl 2018 und dem Vereinsnamen Eintracht Frankfurt eingraviert.

Pokale faszinieren. Sie motivieren Fußballer zum Sieg. Und bringen Jugendliche dazu, Beeindruckendes zu leisten.

Foto: Torsten Link, Evang. Verein für Jugendsozialarbeit in Frankfurt am Main e.V.